Sexuelle Präferenzen und sexuelle Orientierung

Sexuelle Präferenzen und sexuelle Orientierung

Warum konsumiert jemand Kinderpornografie? Warum missbraucht jemand Kinder sexuell oder wird ihnen gegenüber übergriffig? Welche Rolle spielen sexuelle Präferenzen dabei?

Zunächst einmal gibt es sicherlich nicht die eine Antwort auf diese Frage. Oftmals wird es auch keine bewusste Entscheidung sein, sondern sich irgendwie ergeben. Fakt ist jedoch: Niemand sucht sich sexuelle Präferenzen oder seine sexuelle Orientierung aus, ob er nun auf Frauen, auf Männer oder eben auf Kinder steht.

Pädophilie: Sexuelle Präferenzen und sexuelle Orientierung im Kontext von sexuellem Missbrauch und Kinderpornografie

Im Kontext von sexuellem Kindesmissbrauch und dem Konsum von Kinderpornografie ist eine gesellschaftliche Debatte zu beobachten, die Sachlichkeit vermissen lässt. Dabei wird doch jedem klar sein, dass weniger Strafe als vielmehr Therapie vonnöten ist, um sexuelle Übergriffe auf Kinder nachhaltig zu verhindern.

Sexuelle Präferenzen und pädophile Sexualpräferenz

Der Begriff Pädophilie bezeichnet das primäre sexuelle Interesse an Kindern vor Erreichen der Pubertät. Der Definition nach gilt Pädophilie als psychische Störung – genauer als sog. Störung der Sexualpräferenz bzw. als paraphile Störung (ICD-10: F65.4). Dagegen sind die wenigsten Täter tatsächlich pädophil im medizinischen Sinn, auch wenn die Gesellschaft ihnen diesen Stempel regelmäßig aufdrückt. Vielmehr sind Konsumenten von Kinderpornografie oder Täter eines sexuellen Missbrauchs von Kindern sexuell meist auf erwachsene Personen fokussiert. Der Übergriff auf Kinder erfolgt hingegen eher als eine Art Ventil. Und nicht selten waren Täter in ihrer Kindheit selbst Opfer eines sexuellen Missbrauchs.

Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht bei der Pädophilie die primäre sexuelle Ausrichtung auf Kinder. Diese ist nicht zwingend koital, also auf den Geschlechtsakt ausgeprägt. Eher können Pädophile bereits durch Situationen erregt und befriedigt werden, in denen gar kein Körperkontakt zu einem Kind besteht. Bei Situationen mit Körperkontakt kann bereits das Berühren des Kindes allein als erregend empfunden werden, ohne dass diese Berührungen im Genitalbereich stattfinden müssen. Der Wunsch nach dem Vollzug eines Geschlechtsverkehrs mit dem Kind scheint bei Pädophilen seltener anzutreffen zu sein. Deshalb sind nur wenige Pädophile im Laufe ihres Lebens tatsächlich sexuell übergriffig.

Über die Zahl pädophiler Menschen gibt es keine zuverlässigen Aussagen: Internationale Studien nehmen bei etwa 1% aller erwachsenen Männer eine primärpädophile Ausrichtung an, wohingegen Forscher der Universität Regensburg nach einer Befragung von rund 8700 Männern schlussfolgerten, dass weniger als 0,1 Prozent der männlichen Bevölkerung die Diagnosekriterien für eine pädophile Störung im Sinne des DSM-5 erfüllen.

Die Prävalenz bei Frauen ist noch einmal wesentlich geringer.

Nutzung von Kinderpornografie als „Einstiegsdroge“

Viele Pädophile nutzen Darstellungen von Kindern zur sexuellen Stimulation. Dabei reicht die Bandbreite von Kinderbildern aus der Werbung oder den sozialen Medien über legale erotische Darstellungen von Kindern bis hin zur Nutzung illegaler kinderpornografischer Schriften. In einer Studie gaben 86% der Teilnehmer an, Bildmaterial aus dem legalen und/ oder illegalen Bereich zu nutzen.

Es gibt jedoch bislang keinen wissenschaftlichen Beweis, dass Konsumenten von Kinderpornografie dies als „Einstiegsdroge“ nutzen und später Täter eines sexuellen Missbrauchs werden. Im Gegenteil besagen Studien, dass sog. „Hands off“-Täter eher selten zu „Hands on“-Tätern werden, also aktiv Kinder sexuell missbrauchen.

Vom Opfer selbst zum Täter: sog. Opfer-Täter-Transition

Das Erleben von gewalttätigem oder kriminellem Verhalten zur Konfliktlösung wird oftmals als Ursache angeführt, weshalb es zu einer Opfer-Täter- Transition kommen kann. Kinder und Jugendliche, die in ihrer Kindheit selbst Opfer von Gewalt wurden, neigen später ebenfalls dazu, diese Machtposition gegenüber anderen Personen auszuüben. Kinder, die früher selbst Opfer von sexuellem Missbrauch wurden, haben ein um ca. 4-fach erhöhtes Risiko, später selbst zum Täter zu werden. Um diesen Kreislauf zu verhindern, kann die frühzeitige Aufarbeitung der sexuellen Gewalterfahrung helfen, etwa im Projekt „Kein Täter werden“.

Therapie statt Strafe

Während im Betäubungsmittelstrafrecht (§ 35 BtMG) längst anerkannt ist, eine Freiheitsstrafe zugunsten einer Therapie zurückzustellen, sucht man eine entsprechende Regelung im Sexualstrafrecht vergebens. Dennoch würde sich diese – wie vorstehend ausgeführt – doch gerade hier anbieten. Etwa für den Besitz von Kinderpornografie wäre dies ein probates Mittel, um den Tätern nachhaltig zu helfen statt diese wegzusperren. Denn die Politik erhöht ohne Sinn und Verstand seit Jahren lieber die Strafen statt sich um eine erfolgsversprechende Therapie zu kümmern. Denn wohl noch niemand ist einfach so als „besserer Mensch“ aus dem Gefängnis gekommen.

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