Jugendschutzdelikte: Sexting und Cyber-Grooming

Auch im Internet gewinnt das Sexualstrafrecht immer mehr an Bedeutung. Typische Taten im Internetstrafrecht sind das sog. Sexting und das Cyber-Grooming, was die Anbahnung sexueller Handlungen oder anders ausgedrückt sexuelle Belästigung in Chats meint.

Das Internet ist kein rechtsfreier Raum

Die scheinbare Anonymität im Internet und die Allgegenwärtigkeit von Smartphones führt zu einer Zunahme der Straftaten über Chat-Plattformen. Auch der Gesetzgeber ist auf die neuen technischen Möglichkeiten aufmerksam geworden und hat darauf reagiert.

Man sollte sich keinesfalls von der scheinbaren Anonymität des Internets täuschen lassen. IP-Adressen lassen sich häufig für eine gewisse Zeit zurückverfolgen. Die Auswertung von sichergestellten Smartphones und Computern fördert später meist zahlreiche Beweismittel zutage. Diese eindeutige Beweislage ist überaus schwierig anzugreifen.

Umfragen zeigen, dass das Verschicken von Nacktfotos unter Jugendlichen weit verbreitet ist. Für Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren ist es vollkommen normal, dass man in einer Beziehung Nacktbilder – meist via WhatsApp – austauscht (31%). Jeder zehnte Jugendliche kennt gar die Nacktfotos der besten Freundin oder Freundes.

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Sexting

Unter „Sexting“ wird das Versenden von Nacktfotos in Chats über das Internet verstanden. Jedes Smartphone hält neben der Kamera-App diverse Chat-Apps (WhatsApp, SnapChat) bereit, die einfach über den AppStore heruntergeladen werden können.

Schicken sich zwei Jugendliche einvernehmlich über ihr Smartphone Nacktfotos von sich selbst, mag das für die beiden in Ordnung sein. Dennoch kann hierin der Besitz, die Besitzverschaffung oder Verbreitung von jugendpornografischen Schriften gesehen werden.

Zwar sind derartige Bilder nicht in jedem Fall gleich pornografisch, wenn es sich „nur“ um Nacktfotos handelt. Gleichwohl gibt es hier keine starren Grenzen, was noch erlaubt oder schon verboten ist. Sofern es nicht bloß um Nacktheit, sondern um sexuelle Handlungen geht, die auf den Fotos oder Videos zu sehen sind, wird es kritisch.

Cyber-Grooming

Unter Cyber-Grooming versteht man das gezielte Ansprechen von Kindern im Internet, um sexuellen Kontakt mit ihnen herzustellen oder zumindest anzubahnen. Zwar existiert kein eigener Tatbestand gegen Grooming, erfasst werden die Handlungen aber von § 176 Abs. 4 Nr. 3 StGB als Unterfall des sexuellen Missbrauchs von Kindern.

Erforderlich ist ein Einwirken auf ein Kind (unter 14 Jahren) über ein Kommunikationsmittel, indem man sexuelle Handlungen vor dem Kind vornimmt oder ein Kind zu sexuellen Handlungen bestimmt.

Verbreiten pornografischer Schriften („Dick Pics“)

In diesen Zusammenhang gehört auch eine Verbreitung pornografischer Schriften, die unaufgefordert (ungewollt) meist an Frauen versandt werden. Dazu zählen sog. „Dick Pics“, also der Versand von Fotos des meist erigierten Penis an Frauen. Dies kann gemäß § 184 Abs. 1 Nr. 6 StGB auch bei erwachsenen Empfängern eine Straftat sein, denn

Wer eine pornographische Schrift an einen anderen gelangen lässt, ohne von diesem hierzu aufgefordert zu sein, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.

Es kann dementsprechend nur noch um die Frage gehen, ob es sich in dem konkreten Fall um ein pornografisches Bild handelt. Die Frage, was pornografisch ist und was nicht, lässt sich nicht allgemein beantworten. Die Grenzen sind vielmehr fließend.

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