Sexueller Missbrauch von Kindern, § 176 StGB

Der sexuelle Missbrauch von Kindern (Kindesmissbrauch) ist das am häufigsten polizeilich registrierte Sexualdelikt, gefolgt von sexueller Nötigung und Vergewaltigung. Dennoch sind die Beschuldigten nur in wenigen Fällen tatsächlich pädophil, sondern deren Sexualität ist weit überwiegend auf Erwachsene ausgerichtet.

Sexueller Missbrauch von Kindern

Der sexuelle Missbrauch von Kindern (§ 176 StGB) schützt die ungestörte geschlechtliche Entwicklung von Kindern, also von Personen bis 14 Jahren. Verboten wird jegliche sexuelle Aktivität, selbst wenn das Kind (vermeintlich) in die Handlungen einwilligt oder selbst aktiv geworden sein sollte. Der Missbrauch kann auch ohne Körperkontakt erfolgen, etwa durch sexuelle Handlungen des Kindes vor einem Erwachsenen oder von Erwachsenen vor einem Kind. Dazu gehören etwa auch das Zusenden oder Zeigen pornographischer Abbildungen (z.B. des Täters) über Kommunikationsmittel (Webcam, Smartphone über WhatsApp etc.). Die Strafandrohung für diese Tatbestände ohne Körperkontakt reichen von drei Monaten bis zu 5 Jahren Freiheitsstrafe (§ 176 Abs. 4 StGB).

Nimmt der Täter sexuelle Handlungen mit Körperkontakt an einem Kind (unter 14 Jahren) vor oder lässt diese an sich vornehmen, beträgt die Strafandrohung sechs Monate bis 10 Jahre Freiheitsstrafe. Ausreichend sind auch leichte Handlungen nicht eindeutig sexueller Natur, die allerdings nach dem äußeren Erscheinungsbild und allgemeinem Verständnis sexualbezogen und von gewisser Erheblichkeit sind. Das Kind braucht die Bedeutung des Vorgangs nicht zu verstehen und auch nicht wahrzunehmen (etwa wenn es schläft).

Einen wesentlich erhöhten Strafrahmen hat der schwere sexuelle Missbrauch von Kindern.

Hinzuweisen ist auch auf den Haftgrund des § 112a Abs. 1 Nr. 1 StPO, der bei dringendem Tatverdacht die Anordnung der Untersuchungshaft (U-Haft) erlaubt.

Sexueller Missbrauch von Jugendlichen

Strafbar ist auch der sexuelle Missbrauch von Jugendlichen, sofern der Täter eine Zwangslage ausnutzt oder die Handlungen gegen Entgelt erfolgen.

Problematik in einvernehmlichen Paarbeziehungen

Problematisch in diesem Bereich sind insbesondere einvernehmliche sexuelle Erfahrungen (in Paarbeziehungen) zwischen 12-14-Jährigen, die nach dem Gesetz als Kinder gelten mit über 14-jährigen Partnern. Ausreichend ist, wenn ein Partner schon 14 Jahre alt ist.

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Problematik von Falschbeschuldigungen

Im Zusammenhang mit dem sexuellen Missbrauch spielen Falschbeschuldigungen wegen einer solchen Tat eine nicht zu unwesentliche Rolle („Missbrauch mit dem Missbrauch“). In familiengerichtlichen Verfahren, in denen unklare Fälle psychologischen Sachverständigen vorgelegt werden, sind etwa 20% der Angaben als zweifelhaft einzustufen. Auch wenn es keine verlässlichen Statistiken zu Falschbeschuldigungen bei sexuellem Missbrauch gibt, sollte diese Möglichkeit immer in die Überlegungen einbezogen werden. Der Erstaussage des Kindes kommt in den Verfahren eine maßgebliche Bedeutung für die Verteidigung zu.

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