Schwerer sexueller Missbrauch von Kindern

Der Grundtatbestand des sexuellen Missbrauchs von Kindern (Kindesmissbrauch) wird in § 176a StGB durch bestimmte Umstände als Verbrechen qualifiziert:

  • Wiederholungstaten
  • Beischlaf und beischlafähnliche Handlungen einer Person über 18 Jahren
  • gemeinschaftliche Tatbegehung
  • konkrete Gefährdung von Gesundheit oder Entwicklung
  • Missbrauch in Verbreitungsabsicht
  • schwere Misshandlung mit Lebensgefährdung

Schwerer sexueller Missbrauch von Kindern, § 176a StGB

Der sexuelle Missbrauch von Kindern ist ein abstraktes Gefährdungsdelikt. Das geschützte Rechtsgut ist die „ungestörte sexuelle Entwicklung von Personen unter 14 Jahren“ bzw. die „von vorzeitigen sexuellen Erlebnissen geschützte Gesamtentwicklung des Kindes“. Daher nimmt der Gesetzgeber einen Schaden durch sexuelle Handlungen mit einem Kind generell an – ohne den Schaden konkret begründen zu müssen. Dadurch ist auch der Gegenbeweis durch einen nicht erfolgten Schaden im konkreten Fall unzulässig.

Somit ist es unerheblich, ob sexuelle Betätigungen mit Einwilligung des Kindes geschahen. Auch jugendliche Täter haben mit ernsten juristischen Sanktionen zu rechnen.

Wiederholungstaten, § 176a Abs. 1 StGB

Qualifiziert wird der sexuelle Missbrauch von Kindern nach § 176 StGB, wenn sie innerhalb von 5 Jahren nach einer einschlägigen Vorverurteilung des Täters begangen werden, aber nur wenn es „wegen einer solchen Straftat“ (Vortat gem. § 176 Abs. 1 oder 2 StGB) auch zu einem Schuldspruch kam. Ob die neue Tat denselben Tatbestand verwirklicht, ist nicht entscheidend. Dem Wiederholungstäter droht dann eine Mindeststrafe von einem Jahr Freiheitsstrafe, deren Strafaussetzung zur Bewährung eher unwahrscheinlich ist.

Qualifikationen nach § 176a Abs. 2-5 StGB

Für die Qualifikation in § 176a Abs. 2 StGB hat der Gesetzgeber einen Mindeststrafrahmen von zwei Jahren Freiheitsstrafe gesetzt, da das verwirklichte Unrecht erheblich ist.

Vollzieht ein über 18 Jahre alter Täter den Beischlaf mit einem Kind (unter 14 Jahren), der mit einem Eindringen in den Körper verbunden ist (auch von Gegenständen) oder ähnliche – dem Beischlaf ähnliche – Handlungen, handelt es sich hierbei um schweren sexuellen Missbrauch gemäß § 176a Abs. 2 Nr. 1 StGB.

Wird ein sexueller Missbrauch des § 176 Abs. 1 oder Abs. 2 StGB von mehreren Personen gemeinschaftlich begangen, die in derselben Zielrichtung als Täter handeln, ist wegen der erhöhten Schutzlosigkeit des Opfers ebenfalls von einem schweren sexuellen Missbrauch auszugehen (§ 176a Abs. 2 Nr. 2 StGB).

Verwirklicht der Täter die konkrete Gefahr einer schweren Gesundheitsschädigung oder erheblichen Schädigung der körperlichen bzw. seelischen Entwicklung (§ 176a Abs. 2 Nr. 3) oder eine konkrete Lebensgefahr durch schwere Misshandlung (§ 176a Abs. 5 StGB), ist die Tat qualifiziert und wird im Fall der konkreten Lebensgefahr mit mindestens 5 Jahren Freiheitsstrafe geahndet.

Schließlich begeht einen schweren Kindesmissbrauchs, der bei Begehung der Tat in der Absicht handelt, gefertigte Aufnahmen der Tat später als Kinderpornographie zu verbreiten (§ 176a Abs. 3 StGB).

Hinzuweisen ist auch auf den Haftgrund des § 112a Abs. 1 Nr. 1 StPO, der bei dringendem Tatverdacht in allen Fällen die Anordnung der Untersuchungshaft (U-Haft) erlaubt.

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Sexueller Missbrauch mit Todesfolge, § 176b StGB

Verursacht der Täter den Tod des Kindes infolge einer Tathandlung des Missbrauchs oder schweren sexuellen Missbrauchs oder durch körperliche Misshandlung (etwa um das Kind zum Schweigen zu bringen), so ist die Strafe mindestens zehn Jahre Freiheitsstrafe, bei vorsätzlicher Tötung lebenslange Freiheitsstrafe.

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