Freispruch: Sexuelle Nötigung und Vergewaltigung

Freispruch: Sexuelle Nötigung und Vergewaltigung

Die Wahrscheinlichkeit, in Deutschland von einem Gericht freigesprochen zu werden, liegt im einstelligen Prozentbereich. Die einzige Ausnahme bilden dessen ungeachtet Fälle der mutmaßlichen sexuellen Nötigung oder Vergewaltigung (§ 177 StGB). Kommt es in diesen Fällen zu einer Anklage und Hauptverhandlung, werden immerhin ca. 25% der Angeklagten freigesprochen. Danach ist in keinem anderen Rechtsgebiet im Strafrecht die Chance auf einen Freispruch so groß wie im Sexualstrafrecht.

Freispruch, Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, Nötigung, Untersuchungshaft, Studie, freigesprochen, Sexualstrafrecht, Anwalt, Kanzlei, Strafverteidiger, Kanzlei, Sexualstraftat

Der Grund dafür sind die im Sexualstrafrecht überdurchschnittlich häufig vorkommenden Beweisschwierigkeiten. Steht die Aussage des mutmaßlichen Opfers gegen die des Angeklagten, muss das Gericht diese Aussagen gegeneinander abwägen. Denn andere Beweise außer die Aussagen der beiden Beteiligten gibt es in den meisten Fällen nicht.

Es steht dann Aussage gegen Aussage. Dennoch werden Verfahren mit dieser schwierigen Beweiskonstellation trotz größerer Unsicherheiten hinsichtlich der Verurteilungsprognose offenbar häufiger angeklagt. Es kommt maßgeblich auf die Schilderung des mutmaßlichen Opfers an, von deren Glaubwürdigkeit sich das Gericht ein Bild machen muss. Dies dürfte der Grund sein, warum die Staatsanwaltschaft nicht schon im Ermittlungsverfahren den hinreichenden Tatverdacht verneint.

Sexualstraftaten: Im Zweifel für den Angeklagten

In zwei Dritteln dieser Fälle musste das Gericht entscheiden, ob die sexuellen Handlungen einvernehmlich stattgefunden hatten oder nicht. In dem übrigen Drittel war fraglich, ob es die vom angeblichen Opfer geschilderten sexuellen Handlungen überhaupt gegeben hatte. Der Freispruch wegen des Tatvorwurfs sexueller Nötigung oder Vergewaltigung erfolgte indes in 95% der Verfahren „in dubio pro reo“, also im Zweifel zugunsten des Angeklagten.

Das Institut für Kriminologie (Kinzig/Stelly) der Universität Tübingen hatte 300 Freisprüche nach Untersuchungshaft analysiert1. Diese Anzahl entspricht von den Merkmalen und Fallzahlen her allen Freisprüchen – nach Untersuchungshaft – in Deutschland innerhalb eines Jahres, wie er in der Strafverfolgungsstatistik (hier: 2013) erfasst ist.

Derzeit kann nur spekuliert werden, inwieweit sich das „neue“ Sexualstrafrecht („Nein heißt nein“) auf die Entwicklung der Freispruchquote bei sexueller Nötigung und Vergewaltigung auswirken wird. Kritiker der Verschärfung und Ausweitung des Sexualstrafrechts hatten die Vermutung geäußert, dass mit der Novellierung alter bzw. der Einführung neuer Straftatbestände erhebliche Beweisprobleme einhergehen, welche voraussichtlich auch einen Anstieg der Freispruchquoten bedingen werden.

Freispruch nach Untersuchungshaft

Wird ein in Untersuchungshaft sitzender Tatverdächtiger freigesprochen, dann entschied das Gericht ebenfalls meist nach dem Zweifelssatz. Selten dagegen erfolgt ein Freispruch beim Tatvorwurf der sexuellen Nötigung oder Vergewaltigung wegen erwiesener Unschuld des Angeklagten. Es bleiben vielmehr naturgemäß nahezu immer Restzweifel.

Zum Vergleich: Angeklagte, die wegen Diebstahls vor Gericht stehen, werden nur in 2,4% der Fälle freigesprochen, bei Körperverletzung sind es 7,4%. Bei den anderen Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung lag die Freispruchquote bei 10% und damit immerhin noch deutlich höher als bei anderen Delikten.

Strafverteidigung wegen sexueller Nötigung und Vergewaltigung

Sie haben eine Frage, die unbeantwortet geblieben ist? Dieser Text erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und dient nur der ersten Orientierung; ersetzt jedoch keine persönliche Beratung bei einem Rechtsanwalt. Gern geben wir Ihnen hierzu persönlich Auskunft!

Rufen Sie uns unter Telefon: 040 – 2286 3800 an oder schreiben Sie uns eine E-Mail.

Ihr Name*

Ihre E-Mail-Adresse* (für die Antwort oder Terminbestätigung)

Ihre Telefonnummer (für eventuelle Rückfragen)

Terminwunsch (schnellstmöglich oder Terminwünsche eintragen)

Ihre Frage oder Nachricht

Spamschutz*: Ergebnis von

* Pflichtfelder. Die Daten werden verschlüsselt übertragen. Es gilt unsere Datenschutzerklärung.


  1. Kinzig/Stelly: Neue statistische Analysen zum Freispruch (nach Untersuchungshaft), StV 2017, 610 []