Falschbeschuldigung bei Vergewaltigung und Missbrauch

Falsche Verdächtigung und Falschbeschuldigung bei Vergewaltigung und sexuellem Missbrauch

Falsche Verdächtigung und Falschbeschuldigung bei Vergewaltigung und sexuellem Missbrauch

Nirgendwo sind falsche Verdächtigungen so häufig anzutreffen wie im Sexualstrafrecht. Eine solche Falschbeschuldigung wegen Vergewaltigung oder sexuellem Missbrauch ist einfach; es bedarf keiner Beweise, die schlichte Bezichtigung ist ausreichend. Die Gründe und Ursachen einer bewussten oder unbewussten Falschbeschuldigung mögen vielfältig sein und sollen in diesem Artikel näher beleuchtet werden.

Stetiger Anstieg von Falschbeschuldigungen

Die Falschbeschuldigung einer Vergewaltigung ist wahrscheinlich in etwa so alt wie die Menschheit und findet sich sogar in der Bibel (Buch Genesis/1. Mose, Kapitel 39). Wer als Anwalt regelmäßig mit Falschbeschuldigungen zu tun hat, dem werden schnell die Augen geöffnet, wie hartnäckig und keineswegs selten solch ein falsch erhobener Vorwurf ist. In den 1980/90er Jahren kamen falsche Verdächtigungen wegen sexuellen Missbrauchs an Kindern in erster Linie durch die vermeintliche Aufdeckungsarbeit von speziell geschulten Mitarbeiterinnen sog. Opferschutzverbände (z.B. Wildwasser, Zartbitter, Zornrot) auf, die in spektakulären Missbrauchsprozessen endeten (Montessori und Wormser Prozesse).

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Heute gibt es eine „zweite Welle“ von Falschbeschuldigungen, bei denen der Missbrauch Jahre oder manchmal Jahrzehnte zurückliegen soll. Die AnzeigenerstatterInnen leiden an einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS), für deren Entstehung der angeblich stattgefundene Missbrauch durch den Vater oder nahestehende Personen verantwortlich gemacht wird. Neben dieser Diagnose „PTBS“ spielt auch die Diagnose einer Borderline-Persönlichkeitsstörung eine oft große Rolle, die fachlich korrekt als emotional instabile Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.3) bezeichnet wird. In diesen Fällen kommen auch wieder zweifelhafte Verfahren zur Anwendung, die mit psychotherapeutischer Hilfe die bisher „verdrängten Erinnerungen“ zurückholen sollen. Übersehen wird dabei regelmäßig, dass man psychotraumatologisch einem Zirkelschluss erliegt: Die Person hat ein Trauma erlebt, weil sie eine posttraumatische Belastungsstörung hat. Ob dieses „Trauma“ durch einen tatsächlich erlebten sexuellen Missbrauch hervorgerufen wurde, muss ohnehin erst das Strafverfahren klären.

So gehen Aussagepsychologen davon aus, dass mindestens 30 Prozent der im Sexualstrafrecht erhobenen Beschuldigungen falsch sind, also jemand zu Unrecht verdächtigt wird. Dagegen sei man in der Rechtsmedizin früher davon ausgegangen, dass es sich bei fünf bis zehn Prozent der vermeintlichen Vergewaltigungen um Falschbeschuldigungen handelte, sagt der Direktor des Instituts Prof. Klaus Püschel:

„Erfahrungsgemäß haben wir in den letzten Jahren einen gewissen Anstieg sogenannter Fake-Fälle zu verzeichnen, bei denen Personen sich selbst zugefügte Wunden präsentieren und dann behaupten, einem Verbrechen zum Opfer gefallen zu sein.“

Vorurteile zulasten der Unschuldsvermutung

Bei wohl keinem anderen Rechtsgebiet ist die Bereitschaft zum Vorurteil so groß wie im Sexualstrafrecht und zugleich die Unschuldsvermutung so unpopulär. Schon der bloße Vorwurf eines Sexualdelikts ist geeignet, die soziale Existenz komplett zu zerstören, auch wenn sich dessen Unschuld zu guter Letzt herausstellt. Ob jemand tatsächlich ein Opfer ist, wird überhaupt nicht mehr hinterfragt, selbst in Fachkommissariaten für Sexualdelikte finden sich immer öfter Beamte, die sich allzu leichtgläubig zeigen. Strafanzeigen von angeblichen Opfern werden unkritisch entgegengenommen, nicht nur geeignete Nachfragen, sondern auch Maßnahmen der Beweissicherung unterbleiben. Dafür wird unverhohlen die Partei der Anzeigeerstatterin ergriffen.

Einseitige Ermittlungen der Polizei und Staatsanwaltschaft

Ähnlich einseitig gestalten sich oftmals die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft beim Vorwurf der Vergewaltigung oder eines sexuellen Missbrauchs. Warum sollte sich denn jemand so etwas ausdenken? Die Motive können dabei vielfältig sein und reichen von einer gezielten falschen Anschuldigung aus Rache oder im Streit um das Sorgerecht bis zu einer diffusen Anschuldigung, um Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Auch psychiatrische Erkrankungen können wie bereits erwähnt nicht ausgeschlossen werden, so dass die Ermittlungsbehörden nie die Möglichkeit einer Falschbeschuldigung aus den Augen verlieren sollten. Daran müssen sie jedoch meist erst durch den Strafverteidiger erinnert werden, den der Beschuldigte hoffentlich frühzeitig eingeschaltet hat.

In einem Fachkommissariat tätige Beamte soll­ten mit der Er­kenntnis vertraut sein, dass gezielte Falschbezichtigungen meist mit einem beeindruckenden Inszenierungsaufwand vorgetragen und die Verhörsperson auf solche Weise davon abgehalten werden soll, Anhaltspunkte für die Unwahrheit des Anzeigevorbringens aufzugreifen und gerade deshalb abenteuerlich anmutende Behauptungen für bare Münze zu nehmen.

Was kann ich tun und wie kann ich mich wehren?

Wenn Sie zu Unrecht einer Sexualstraftat bezichtigt werden, sollten Sie so früh wie möglich einen auf dieses Rechtsgebiet spezialisierten Rechtsanwalt einschalten. In einem frühen Stadium des Ermittlungsverfahrens sind darüber hinaus die Chancen am größten, das Verfahren zu gestalten statt nur zu reagieren. Die Fälle der Falschbeschuldigungen lassen sich aus der Erfahrung besonders effektiv zu Beginn des Ermittlungsverfahrens aufklären. Der Rechtsanwalt kann Akteneinsicht nehmen und dadurch herausfinden, was genau vorgeworfen wird. Darüber hinaus kann er Widersprüche erkennen, eigene Ermittlungen durchführen und bestimmte Beweiserhebungen beantragen. Ein aussagepsychologisches Gutachten, bei dem die Auswahl des Sachverständigen elementar ist, kann ein erfahrener Rechtsanwalt auf diese Wahl einwirken und somit sicherstellen, dass der Gutachter überhaupt geeignet und ausreichend qualifiziert ist.